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Grünes Kommunalwahlprogramm 2009

RNZ 08./09. August 2009

Aus einem Tag wurde fast ein Jahr

Gisela Reinhard und Monika Stärker-Weineck trafen die ehemaligen Zwangsarbeiter Jean Faas und Michel Bodaine.


Schriesheim/Saint Dié. (sk) Sie dachten, es sei nur ein Arbeitseinsatz von einem oder zwei Tagen. Als die Wehrmacht im November 1944 im Vogesenstädtchen Saint Dié etwa 1000 Männer zusammentrieb, hatten nur die wenigsten Gepäck und ausreichend Proviant dabei. In Wirklichkeit ging die Reise nach Deutschland in den damaligen Gau Baden und dauerte bis zum Kriegsende. 40 Zwangsarbeiter kamen nach Schriesheim.


Amtliche Dokumente aus der damaligen Zeit sind nicht vorhanden, einzige Quelle ist das Notizbuch von Robert Tible, der Namen, Herkunftsorte, Geburtsdaten und Einsatzorte einiger Männer aufschrieb. Tible war in der Ölmühle von Wilhelm Rufer untergebracht, der den jungen Mann gut behandelte. Andere Unternehmen waren das Sägewerk Heeger, eine Schneiderei, der Gärtnerbetrieb Grüber und ein Bäckerladen. Der Einzelbetrieb mit den meisten Zwangsarbeiter war vermutlich das Forstamt der evangelischen Pflege Schönau, wo die meisten arbeiteten. Einer von ihnen war Jean Faas, einer der beiden letzten Überlebenden von damals. Im strengen Winter 1944/45 mussten die Männer kilometerlange Märsche bis zu ihrem Einsatzort zurücklegen, wo sie Baumstümpfe aus der Erde zu ziehen hatten. Ein halbes Jahr lang trug Faas dieselben Kleidungsstücke, die er bei der Deportation am Körper hatte, nur einmal warf ihm eine Frau aus dem Fenster ein Paar Schuhe zu. Von morgens bis abends wurden die Männer bewacht, Kontakt zur Bevölkerung hatten sie nicht. Alle 40 Zwangsarbeiter übernachteten in der Synagoge. Hier war es kalt, es gab Läuse und Flöhe.


Essen kam aus einer Küche in der Strahlenberger Grundschule. „Man bekam am Abend zwei Schalen Suppe, zu Mittag gab es nichts“, so die Schilderung von Jean Faas. Festgehalten ist sie in einer Dokumentation von Schülern der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried aus dem Jahr 2000. Darin kommt auch Michel Bodaine, der andere heute noch lebende frühere Zwangsarbeiter zu Wort. Tagsüber arbeitete der damals 17-Jährige im Baustoffhandel Näher. Im Gegensatz zu Faas bekam er genug zu essen und neue Kleidung. Ende März 1945 war der Krieg für die Schriesheimer zu Ende. Bodaine traf im Haus seines „Patrons“ auf einen jungen deutschen General, der ihm seine Pistole anbot und den Franzosen aufforderte, ihn zu erschießen. Er war bei der Zerstörung von Saint-Dié kurz nach der Deportation der Zwangsarbeiter beteiligt und wurde mit seiner Schuld nicht fertig. SS und Wehrmachtseinheiten plünderten die Stadt, sprengten historische Gebäude und steckten den Rest in Brand. Die Amerikaner, die zu diesem Zeitpunkt auf den benachbarten Hügeln campierten, schauten tatenlos zu. 1948 wurden die restlichen Ruinen planiert und das Städtchen wieder aufgebaut. „Durchaus reizvoll“, wie Gisela Reinhard und Monika Stärker-Weineck fanden. Im Juli trafen die Stadträtin und die Jahrbuch-Autorin dort mit Faas und Bodaine zusammen. Die dortige „Association des Deportés“ und der Bürgermeister, Christian Pierret, machten mit den Besucherinnen, die im Auftrag von Bürgermeister Hansjörg Höfer Gastgeschenke überreichten, eine Stadtführung. Zurück in Schriesheim wollen die beiden mit Stadtarchivar Dr. Dirk Hecht die Erlebnisse der Schriesheimer für das Jahrbuch dokumentieren: „Viele hatten damals Zwangsarbeiter, vielleicht erinnern sich auch Kinder oder Enkel an solche Schilderungen“, bemerkte Reinhard. Informationen oder Dokumente nehmen das Stadtarchiv, Telefon 6 44 36, oder Monika Stärker-Weineck, Telefonnummer 6 49 42 entgegen.

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