LB RNZ 12. Oktober 2010
Katastrophenschutzübung der Stadt: Augenwischerei
Von Wolfgang Fremgen
So wichtig und löblich gemeinsame Katastrophenschutzübungen von Behörden und Hilfsorganisationen zu Übungszwecken auch sind, können sie doch keineswegs über tatsächlich vorhandene Gefahren durch Atomkraftwerke hinwegtäuschen.
Schriesheim befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den Atomkraftwerken in Biblis, Philippsburg und Neckarwestheim. Diese liegen Luftlinie gemessen 27 km, 30 km bzw. 61 km von Schriesheim entfernt. Im Atomkraftwerk Biblis wäre es Ende September nach einer Störung der Notstandsanlage beinahe zu einem Atomunfall gekommen. Nur dem Glück ist es zu verdanken, dass aus dem Störfall keine Katastrophe wurde. Denn während des Defekts der automatischen Umschaltung der Spannungsversorgung stand der Reaktor wegen der routinemäßigen Auswechslung der Brennelemente gerade still. Bei einem Stromausfall im Block A wäre der Reaktor nicht automatisch von Block B mit Energie versorgt und gesteuert worden. Ein Störfall in Block A hätte dann nicht mehr beherrscht werden können. Nach einer Studie des Instituts für Meteorologie der Universität in Wien würde Schriesheim bei einem schweren Reaktorunfall mit Kernschmelze fast bei jeder Windrichtung mitten in der Todeszone einer maximalen Strahlenbelastung nach einem Super-GAU liegen.
Eine Untersuchung des Öko-Instituts in Freiburg im Auftrag des Umweltbundesministeriums listet 80 potentielle Sicherheitsdefizite des Kernkraftwerks Biblis, Block B auf, bei denen Hinweise auf gravierende sicherheitsrelevante Abweichungen vom Stand von Wissenschaft und Technik bestehen. Diese Mängel bestehen u.a. im Schutz gegen übergreifende Einwirkungen von innen und von außen, in der Beherrschung von Rohrleitungslecks, den eingesetzten Werkstoffen und Herstellungsverfahren sowie dem Umfang und der Aktualität von Sicherheitsnachweisen.
Die schwarz-gelbe Bundesregierung handelt mit ihrer Politik der Renaissance der Atomkraft fahrlässig und nimmt durch ihre Lobbypolitik zugunsten der Atomkonzerne Sicherheitsrisiken der Bevölkerung billigend in Kauf. Katastrophenschutzübungen suggerieren eine Sicherheit, die es bei der hochriskanten Nutzung der Kernenergie nicht geben kann. Die Ausgabe von Jodtabletten als wirksame Schutzmaßnahme nach einem Strahlenaustritt zu deklarieren betreibt Augenwischerei angesichts des riesigen Gefahrenpotenzials durch Atomunfälle.
Wolfgang Fremgen
für die Schriesheimer Grünen






























