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Dr. Barbara Schenk-Zitsch
Dr. Barbara Schenk-Zitsch

MTB 30. Juni 2010 Grüne Liste Schriesheim

Was bleibt… Die Geschichte der „Gelben Fußstapfen“

Von Dr. Barbara Schenk-Zitsch

April 2009: Bei unserer Veranstaltung „Sichere Schulwege“ sorgten sich  Eltern am meisten wegen fehlender Markierungen am Passeinkreisel auf dem Weg ihrer Kinder ins Schulzentrum. Zwar gibt es vier Verkehrsinseln, die allerdings durch die motorisierten Verkehrsteilnehmer nicht ausreichend wahrgenommen werden. Stattdessen stoppen die Autofahrer meist nicht, um die Fußgänger queren zu lassen, sondern fahren zügig in den Kreisel ein und aus. Außerdem unterschreiten die Kraftfahrer durch die an dieser Stelle entstehende Enge den notwendigen Seitenabstand zu den Fußgängern und gefährden diese. Von Eltern geschilderte „Beinaheunfälle“, sowie viele gefahrenträchtige Situationen, die wir selbst beobachtet haben, zeigen dringenden Handlungsbedarf.


Bis Oktober 2009: Zusammen mit Fahrlehrer Wolfgang Fremgen erarbeiten wir Verbesserungsvorschläge. Motto: „Keine Orientierung ohne Markierung“.


1.November 2009: Antrag mit Optimierungsvorschlägen an die Verkehrsbehörde: Diese werden immer auf Verkehrstagfahrten behandelt, an denen Vertreter der Polizeidirektion Heidelberg, des Landratsamtes Rhein-Neckar-Kreis (Strassenverkehrsamt) und der Stadt Schriesheim (Ordnungsamt) teilnehmen.Auch die Antragsteller werden geladen.


4. November 2009: Wir stellen  unsere Maßnahmen zum Schutz der Schüler:

  • Fußgänger sollten durch aufgebrachte Leitlinien (Fußgängerfurten) quer zu den vier aufgepflasterten Mittelstreifen den kürzesten und sichersten Weg zur Überquerung aufgezeigt bekommen. Gleichzeitig würde sich durch diese Fahrbahnmarkierungen die Aufmerksamkeit der Autofahrer erhöhen.
  • Vier Piktogramme mit dem Gefahrenzeichen “Kinder“ (VZ 136) sind auf den vier einmündenden Straßen aufzubringen
  • Zum Leiten des Fußgängerverkehrs und zur Vermeidung gefährlicher Überquerungen sollten Gelbe „Fußstapfen“ auf den Gehwegen angebracht werden.
  • Die Bepflanzung der Verkehrsinseln wäre ein optisch ansprechender „Blickfang“ für alle Verkehrsteilnehmer, vorsichtiger zu sein.Was Kindern nützt, hilft auch Eltern mit Kinderwagen, älteren Bürgern und Menschen mit Behinderung. Wir möchten mit unseren Verbesserungsvorschlägen eine bessere Orientierung und mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erreichen!


12. November 2009: Verkehrstagfahrt und Ernüchterung:

Fast alle Verbesserungsvorschläge  wurden abgelehnt, lediglich die Fußstapfen dürfen nach Befürwortung im Gemeinderat auf Kosten der Stadt verlegt werden, da die StVO eine solche Markierung nicht vorsieht.

Auszüge aus der Begründung :

  • Der vierarmige Kreisel befindet sich in einer Tempo-30-Zone. Er ist baulich gut gelöst und überschaubar: Lediglich in der Schillerstrasse befindet sich keine Schutzinsel.
  • Jüngere Kinder werden von ihren Eltern begleitet. Ältere Kinder sind in der Regel für Umwege empfindlicher und neigen ggf. eher dazu, den kürzeren Weg zu nehmen.
  • Bei der Inanspruchnahme der Schutzinseln handelt es sich aber lediglich um ein Angebot. Niemand kann dazu gezwungen werden, in diesem geschützten Bereich die Fahrbahn zu queren. Ob eine Markierung zur nachhaltigen Verkehrserziehung dienlich wäre, ist fraglich.
  • Der Gesetzgeber sieht jedoch innerhalb einer Tempozone keine weiteren Markierungen vor.
  • Die gewünschte Furt würde die Fußgänger und insbesondere die Kinder in einer trügerischen Sicherheit wiegen.
  • Durch die aufgebrachte Fußgängerfurt könnte fälschlicherweise der Eindruck       entstehen, dass der Fußgänger gegenüber dem Kraftverkehr bevorrechtigt wäre.
  • Dies könnte dazu führen, dass Kinder, ohne auf den Verkehr zu achten, die Fahrbahn überqueren. Im Übrigen ist eine Furtmarkierung für Fußgänger nur im Zusammenhang mit einer Verkehrssignalanlage zulässig.

„Ein Handlungsbedarf ist nicht gegeben.“


19. Januar 2020: „Wird erst gehandelt, wenn etwas passiert ist?“ (RNZ)

Ich beschwere mich. Diese Entscheidung ist nicht nachvollziehbar! Besonders ärgerlich und provokant finde ich die Aussage, dass  jüngere Kinder sowieso von den Eltern begleitet werden. Warum wohl? Weil der Schulweg den Eltern zu gefährlich ist!

Und die Annahme, dass größere Schulkinder sowieso den kürzesten Weg nähmen und Markierungen missachten würden, ist eine durch nichts bewiesene Unterstellung.

Kinder sind unberechenbare Verkehrsteilnehmer und alle Maßnahmen, die bessere Orientierung, mehr Aufmerksamkeit und Sicherheit erzeugen, sollten nicht in Frage gestellt werden. Was wollen die Entscheidungsträger eigentlich? Das verkehrsgerechte Kind oder den kindgerechten Verkehr?


31. März 2010:Antrag für die Anbringung „Gelber Fußstapfen“ zum Schutz der Fußgänger am Passeinkreisel an den Ausschuß für Technik und Umwelt


10., 12/13 Juni 2010: „Gelbe Füße sollen Schulkindern helfen“ (MM), “Gelbe Füße warnen vor Gefahr“ (RNZ)


14. Juni 2010: ATU befürwortet mehrheitlich (nach längerer Diskussion!) die Anbringung der „Gelben Fußstapfen“

Grüne Liste- und SPD- Ausschussmitglieder stimmen zu. Wegen der Kosten von ca. 600€ für die Kaltplastmarkierung gelb RAL 1023 Fußabdrucksymbol enthalten sich die drei CDU Ausschussmitglieder. Robert Hasenkopf bietet an, dass die GL die Fußstapfen bezahlt, wenn es am Geld liegen sollte. Jutta Becker (FW) hält die Maßnahme für eine Verschlechterung, weil „sie eine Sicherheit suggeriert, die nicht besteht“, während Sebastian Cuny gar von einer „wegweisenden Entscheidung“ spricht.


20. Juni 2010: Dies ist mein 6.! Artikel im Mitteilungsblatt zu der Kreisel-Problematik. Was von allen Vorschlägen und Begehungen bleibt, sind die „gelben Fußstapfen“, die hoffentlich zeitnah aufgebracht werden. „Gut Ding will Weile haben“.


Fazit:

Wie man an diesem Beispiel erkennen kann, ist es ein hartes Stück Arbeit, konsequent ein Thema zu (gutem oder schlechtem) Ende zu führen, immer mit dem Wissen, dass die ganze Arbeit umsonst sein kann, wenn sich keine Befürworter finden. Dies ist meist keine Frage der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit eines Vorschlages, sondern oft der politischen Richtung und noch öfter eine Frage der Finanzen.

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