
- Wolfgang Fremgen
MTB 26. Januar 2011 Bündnis 90/Die Grünen
FARBE BEKENNEN: Wofür GRÜNE in der Agrarpolitik stehen!
Von Wolfgang Fremgen
Dioxinverseuchte Eier, Industriefette als Futterfette in der Tierhaltung, da kann einem Verbraucher nur der Appetit vergehen. Man fragt sich, ob dies nur Einzelfälle in einer ansonsten funktionierenden Landwirtschaft sind oder ob es sich um die Spitze des berühmten Eisbergs handelt. Auch wenn der heutige Dioxinskandal Folge von krimineller Energie ist, hat er doch generelle Strukturen der heutigen Agrarpolitik als tiefere Ursache. Denn eine industrielle, auf Kostenoptimierung getrimmte Land- und Lebensmittelwirtschaft kann auf Dauer keine sicheren, qualitätsvollen Lebensmittel erzeugen.
Ein Politikwechsel ist zwingend geboten
Die Agrarpolitik muss grundlegend neu ausgerichtet werden. Wir GRÜNE fordern eine Agrarwende, die die bäuerliche Landwirtschaft wieder zum Leitbild macht und sich von der Massentierhaltung und industrieller Landwirtschaft verabschiedet. Im Einzelnen wollen wir:
- Effizientere Kontrollen im Tierhaltungs- und Futtermittelbereich
- Mehr Transparenz für Verbraucher durch Erweiterung der Kennzeichnungspflicht auch für verarbeitete Eier, zur Haltung und Herkunft von Tieren sowie zu gentechnikfreien Produkten
- Stärkung des Ökolandbaus und bäuerlicher Strukturen mit artgerechter Tierhaltung. Denn Ökolandbau schont die Natur und unsere Kulturlandschaft.
Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher sind gefordert
Vor vierzig Jahren musste ein Arbeiter für ein Stück Schweinefleisch viermal so lange arbeiten wie heute. Dieser rasante Preisverfall war nur möglich unter den exzessiven Bedingungen heutiger Massentierhaltung. Wollen wir Konsument_innen aber qualitativ hochwertige Produkte haben, müssen wir unseren Warenkorb bewusster zusammenstellen. Laut einer Untersuchung der Fleischindustrie wandeln sich gerade die Konsumgewohnheiten der Verbraucher_innen. Zumindest in den gesellschaftlichen Leitmilieus sei ein „mengenorientierter Fleischkonsum“ out. 700 Gramm Kotelett sind beim Discounter schon für 2,39 Euro zu haben. Wer dieses Billigfleisch kauft, der will nicht wissen, wie es produziert wurde. Das Problem ist, dass trotzdem jeder weiß, wie das Grauen in den Fleischfabriken aussieht. Wer als Verbraucher_in etwas tun möchte für sichere Lebensmittel, für artgerechte Tierhaltung und für den Klimaschutz, der kann dies tun, indem er bewusster konsumiert:
- Mehr regionale und mehr saisonale Produkte
- Wenn Fleisch, dann weniger und hochwertigeres, das nicht in Massentierhaltung gewonnen wurde
- Prinzipiell nur gentechnikfreie Lebensmittel
- Bio-Waren, die im Ökolandbau produziert wurden
Wie ein Konsummuster sich wandeln kann, zeigt das Beispiel des Tabaks. Wer hätte vor zehn Jahren geglaubt, dass es im öffentlichen Raum je ein Rauchverbot geben würde? Im Rückblick sieht man die Vorgeschichte klarer. Dass Rauchen ungesund ist, weiß und wusste fast jeder. Aber es musste Zeit vergehen, bis diese Erkenntnis sich in Überdruss verwandelte, bis diese die kulturellen Leitmilieus erfasste, bis die Raucher aus dem Fernsehen, dem Kino und am Ende aus der Öffentlichkeit verschwanden. Wird es dem Billig-Kotelett am Ende ergehen wie der Zigarette? Es gäbe sicherlich Schlimmeres.





























