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Wolfgang Fremgen
Wolfgang Fremgen

 

MTB 23. Juni 2010 Bündnis 90/Die Grünen

Teil 2: Auch in der Nordsee ist jederzeit ein Ölunfall möglich

Von Wolfgang Fremgen

Die Öl- und Gasplattformen in der Nordsee sind unfallgefährdet. Neue Luftaufnahmen von Greenpeace zeigen das Ausmaß der schleichenden Verseuchung durch den täglichen Betrieb. Bei Kontrollflügen über 75 der rund 400 Förderanlagen stellte Greenpeace an fünf Anlagen große schwimmende Ölteppiche fest. Bei rund 400 Förderanlagen wurden nach Greenpeace-Angaben 1984 rund 1.700 Tonnen, 1994 rund 6.000 Tonnen und 2005 rund 13.000 Tonnen Öl in die Nordsee eingeleitet.

BP - risikofreudig auch in der Nordsee

Besonders risikoreich arbeitet der Konzern BP. Westlich der Shetland-Inseln fördert BP das Öl mit Förderschiffen aus über 400 Metern Wassertiefe. Wie die aktuelle Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zeigt, sind die Risiken der Offshore-Ölförderung unkalkulierbar. Greenpeace fordert daher, dass keine neuen Genehmigungen zur Förderung von Öl und Gas in der Tiefsee erteilt werden. Eine Ölkatastrophe wie im Golf von Mexiko kann sich auch in der Nordsee jederzeit ereignen. Regelmäßig kommt es zu Unfällen auf Ölplattformen. Schlimmer als die Unfälle sind jedoch die chronischen Ölverschmutzungen. Schon im Normalbetrieb wird rund um die Uhr Öl in die Nordsee eingeleitet.

Schleichende Vergiftung des Ökosystems

Die letzten veröffentlichten Zahlen stammen aus dem Jahr 2007: Bei 515 registrierten Unfällen traten damals 3.907 Tonnen Öl aus. Weitere 9.596 Tonnen wurden beim alltäglichen Förderbetrieb eingeleitet. Die Plattformen fördern ein Gemisch aus Öl, Gas und Wasser. Das Wasser wird vom Öl getrennt und als sogenanntes Produktionswasser ins Meer geleitet. Es enthält Restmengen an Öl. Schadstoffe aus dem Öl können in die Nahrungskette gelangen.

Immer tiefer hinab

Die Öl- und Gasreserven in der relativ flachen Nordsee sind nahezu erschöpft. In der Folge dringen die Ölkonzerne in immer größere Tiefen und arktische Regionen vor. Mit steigender Wassertiefe erhöht sich das Risiko von Unfällen. BP pumpt das Öl mit riesigen Förderschiffen aus über 400 Metern Wassertiefe. Die Schiffe sind durch flexible Steigleitungen mit dem Bohrloch verbunden. Am Meeresboden wird eine vergleichbare Technik mit Bohrlochköpfen und Sicherheitsventilen wie an der explodierten BP-Plattform im Golf von Mexiko verwendet. Falls es hier zu einem Unfall kommt, kann kein Mensch das Bohrloch erreichen. Taucher können nur bis rund 200 Meter Tiefe arbeiten. Hier müsste, wie bisher erfolglos im Golf von Mexiko, mit unbemannten Unterwasserrobotern operiert werden.

Politische Schlussfolgerungen für uns GRÜNE:

Das politische Problem ist unsere globale Abhängigkeit vom Öl. Der Hunger nach Öl wächst, die Fördermenge wird perspektivisch aufgrund schrumpfender Vorräte sinken und die Preise dadurch steigen. Damit wird es immer lukrativer, auch an den unmöglichsten Orten Öl zu fördern. Verbote von Ölbohrungen an ökologisch sensiblen Orten sowie auch dort, wo ein hohes Unfallrisiko besteht, sind notwendig. Wichtiger ist aber, dass wir heute schon die erneuerbaren Alternativen fördern, damit wir in Zukunft auf das riskante und klimaschädigende Geschäft mit dem Erdöl verzichten können. Die steigenden Energiepreise bieten dazu eine Chance, weil erneuerbare Energien dadurch kostengünstiger werden. Ob sie uns aber ausreichend zur Verfügung stehen werden, ist eine politische Angelegenheit, die wir heute zu entscheiden haben.

 

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