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MTB 22. Juli 2009 Grüne Liste Schriesheim

Unterwegs mit der Grünen Liste: Auf Erkundungs-Tour im Wald

"Kann ich fliegen?“ „Nein.“ „Habe ich vier Beine?“ „Ja.“ „Trage ich ein Geweih?“ „Nein.“ „Ein Haarkleid?“ „Nein.“ „Meine Haut ist glatt und feucht?“ „Ja.“ Fünfzehn Kinder und Erwachsene tragen auf dem Rücken ein Kärtchen mit der Abbildung eines heimischen Waldbewohners. Den gilt es durch Fragen zu erraten, und das ist auch für die „Großen“ ganz schön schwierig. Als Antwort ist nämlich nur ja oder nein erlaubt, jeder fragt jeden. Und am Ende haben sich bei diesem Spiel alle kennengelernt und dabei viele Tiere des Waldes herausgefunden: Erdkröte und Salamander, Wildschwein, Hirsch und Reh, Fuchs und Dachs, Baummarder, Eichhörnchen und Haselmaus, Specht und Eichelhäher, Waldameise, Raupen und Schmetterlinge …

 

Am ersten Samstag im Juli war es nämlich soweit: Einige der Kinder, die das Naturquiz beim Spielplatzfest der GRÜNEN LISTE gelöst hatten, trafen sich mit Helferinnen und Helfern am Weiten Tal und machten sich unter Führung der Waldpädagogin Adrianne Deickert auf den Weg in den Schriesheimer Wald.

Die Kärtchen mussten dann noch auf einem großen Baumschema ihren Platz finden: im Wurzelbereich oder neben dem Baum auf dem Waldboden, in der Krone, am Stamm, in einer Baumhöhle oder auf einem Ast. Und so wurde allen bewusst, wie vielfältig das Leben im Wald ist, auch wenn sich die meisten Bewohner gar nicht so leicht entdecken lassen.

 

Ein kleines Stück bergauf gab es interessante Informationen über Sträucher am Wegrand und die verschiedenen Baumarten. Es wurden Blätter gesammelt, von Weißdorn, Holunder, Brombeere und Hasel, von Eiche, Buche und Hainbuche, Bergahorn, Linde, Eberesche und Birke. Und Rindenabdrucke von Buchen- und Eichenstämmen am Wegrand abgenommen: Bäume erfühlen, Wald mit den Sinnen erfahren. Dem einen oder anderen Käfer wurde nach ausgiebiger Betrachtung in der Becherlupe die Freiheit wiedergeschenkt.

 

Hohe Konzentration beim Balancierspiel auf den Stämmen: erst mal drauf steigen, sicher stehen, und dann eine unerwartete Aufgabe. „Jetzt bildet eine Kette in alphabetischer Reihenfolge, aber Ihr dürft dabei nicht vom Stamm absteigen!“ Seinen Namenszettel hatte jeder gut leserlich an seiner Kleidung befestigt, also war klar, wohin jeder will - aber wie kommt man um seinen Nachbarn herum, ohne vom Stamm zu fallen?

 

Weiter aufwärts am Weg liegen dicke und dünnere, kürzere und längere Baumstämme übereinander geschichtet. Ein riesiges Wald-Xylophon, das sich mit Stöcken spielen lässt. „Kleine“  und  „Große“ finden mit hohen und tiefen, hellen und dumpfen Klängen, mit schnellen und langsamen Schlägen in einen gemeinsamen, variationsreichen Rhythmus.

 

An der ersten Weggabelung sind Arbeitstische aufgebaut, hier können die Kinder die gesammelten Blätter bestimmen, abdrucken und ihre „Werke“ in einen vorbereiteten Ordner abheften, den sie mit nach Hause nehmen dürfen. Ein Wettlauf, in zwei gemischten Gruppen zu ausgelegten Blätterpaaren durchgeführt, zeigt: Sogar die so ähnlich aussehenden Buchen- und Hainbuchenblätter haben sich die Kinder gemerkt, da sind sie fast schneller als die Erwachsenen!

Am Ende der Exkursion, bevor man sich trennt, noch ein letztes Spiel: Alle stellen sich mit ihren Tierkärtchen vom Anfang in einen großen Kreis. Einer bekommt ein großes Kordel-Knäuel. Das Ende behält er in der einen Hand, mit der anderen wirft er das Knäuel einem anderen zu: „Ich, der Baummarder, kann wie du, Eichhörnchen, von Ast zu Ast springen, doch bin ich kein Nagetier, sondern ein kleiner Räuber.“ Das Knäuel wandert weiter, jeder denkt darüber nach, in welcher Beziehung er zu einem anderen Waldbewohner steht. So können die Kinder wie auch ihre erwachsenen Mitspieler ihr Wissen über den Lebensraum von Tieren und Pflanzen des Waldes unter Beweis stellen und Neues dazu lernen.

 

Zum Schluss ist ein kunstvolles Netz entstanden, in dem alle miteinander verbunden sind. Der geringste Kordelzug eines einzelnen ist sofort von allen zu erspüren. "So ist unser Ökosystem Wald“, erklärt Adrianne, die Pädagogin, mit einfachen Worten den komplizierten Sachverhalt. „Alle sind mit allen vernetzt, und die kleinste Veränderung wirkt sich auf das Ganze aus.“ 

 

                                                                                                        Gisela Reinhard

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