MTB 22. Juni 2011 Grüne Liste Schriesheim
Schulprojekt „Klimaschutz“ in Neckartenzlingen: Ein Beispiel auch für Schriesheim?
Von Wolfgang Fremgen
Greenpeace-Förderer Tobias Kluftinger-Verdong brachte nur eine Sprudelflasche mit, als er die Idee von einer „Energiegruppe“ am Gymnasium Neckartenzlingen vorstellte. Zu Demonstrationszwecken. Eine Flaschenfüllung Benzin, so rechnete der Kunstlehrer vor, habe er gespart, weil er zum Treffen mit der Schülervertretung mit dem Rad statt mit dem Auto gefahren sei. „Das ist eine Ersparnis von fünf Mark, wenn ich eine Woche mit dem Rad komme. Jeder hat die Wahl!“ Das war die Botschaft, die im „Ländle“, rund 30 km südlich von Stuttgart, gut ankam und zur Gründung des „Solarteams“ führte. Zusammen mit seinem Kollegen leitet Tobias Kluftinger-Verdong seit elf Jahren die Arbeitsgemeinschaft, an der rund 15 Schüler mitwirken. Inzwischen ist sie so erfolgreich, dass sogar das Ziel einer Null-Emissionsschule erreichbar scheint – und zwar völlig eigenfinanziert.
Kleine Schritte zum Ziel
Für die erste Investition, eine Sonnenkollektorenanlage für das Warmwasser der Schulmensa, rackerten die Schüler zwei Jahre lang: Sie reinigten die Fensterfront der Schule oder veranstalteten einen „Solarlauf“, bei dem die Schüler pro „Solarmeile“ einen mit Eltern oder Geschäftsleuten ausgehandelten Betrag erhielten. Mittlerweile gibt es fünf Fotovoltaikanlagen auf dem Schuldach. Energiesparende Lampen, Ausschalter für Stand-by-Geräte, Zeitschaltuhren und neue Beleuchtungssysteme sorgen zusammen mit den „Energiemanagern“ der Klassen dafür, dass kein Kilowatt verpufft. „Wir machen so viel wie möglich selbst“, sagt die 18-jährige Schülerin Tina Delius, die seit vier Jahren dabei ist. „Und wenn ich nicht aufs Dach steige, weil ich Höhenangst habe, kann ich wenigstens die Verkabelungen legen.“
Ein Projekt, das sich lohnt
Über 210.000 Euro hat das „Solarteam“ für die regenerative Energieerzeugung und Sparmaßnahmen bis jetzt ausgegeben. Da reichte das Geld aus Wettbewerben, fleißigem Putzen und Sammeln bald nicht mehr aus. So entstand die Idee der Solaranleihe: Schülerinnen und Schüler geben dem Projekt ihr Taschengeld und erhalten dafür Zinsen. „Die Nachfrage ist riesig“, erzählt Kluftinger-Verdong stolz. Die eingesparten 120.000 Kilowattstunden und die Einspeisevergütung für 40.000 Kilowattstunden bringen mittlerweile jährlich rund 31.000 Euro. Die Gewinne wandern dank eines Vertrages mit der Gemeinde wieder in das Projekt – für Rückzahlungen und weitere Anschaffungen. „Investitionen in ökologische Projekte sind ein ökonomisches Gebot“, ist Tina überzeugt. „Es ist ein aus sich selbst heraus funktionierendes System, eine wachsende Spirale.“
(Quelle: Greenpeace Nachrichten 02/2011)






























