MTB 21. September 2011 Bündnis 90/Die Grünen
EURO-Krise: Ein Zurück zur D-Mark hätte fatale ökonomische Folgen
Bearbeitet von Wolfgang Fremgen nach gruene.de
Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise und der drohenden Überschuldung Griechenlands wird in Deutschland über den möglichen Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone und die Wiedereinführung der D-Mark spekuliert. Aber was wären die unmittelbaren Folgen für Deutschland und die Europäische Union? Fakt ist: Der Euro hat Deutschland massiv genutzt, nicht geschadet. In den letzten zwei Jahren hat die Gemeinschaftswährung einen Wohlstandsgewinn von 50 bis 60 Milliarden Euro ermöglicht. Denn die Exportwirtschaft profitiert von einem weniger aufgewerteten Euro gegenüber einer D-Mark.
Was passiert, wenn Griechenland aus der Euro-Zone austreten würde?
Bei einer Rückkehr zur Drachme könnten griechische Firmen ihre Waren zwar billiger exportieren, da die Währung gegenüber dem Euro nicht viel Wert wäre. Die zuvor angehäuften Schulden müssten jedoch in Euro zurückgezahlt werden. Das Land stünde vor einem noch größeren Schuldenberg als zuvor und müsste seine Insolvenz erklären. Eine Insolvenz Griechenlands und die damit erfolgende Entwertung der Vermögen würde auch die Länder treffen, die die griechischen Schulden bislang finanziert haben, darunter Frankreich und Deutschland. Außerdem würde der Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone einen Dominoeffekt auslösen, der desaströse Folgen für den Rest der Europäischen Union und darüber hinaus hätte. Die wohl unvermeidliche Insolvenz Griechenlands würde viele europäische Banken in existentielle Schieflagen bringen. Fallen die besonders betroffenen französischen Banken, könnten als nächstes dann deutsche Banken umkippen, die stark mit den französischen verflochten sind. Letztlich wären diese Ansteckungseffekte unkontrollierbar. Es bestünde auf jeden Fall die Gefahr einer Kernschmelze für das europäische und in der Folge für das weltweite Finanzsystem. Zusätzlich würden die Finanzmärkte noch stärker gegen die Pleite weiterer Euro-Staaten wie Portugal, Irland, Italien und auch Frankreich spekulieren.
Was passiert, wenn Deutschland die D-Mark wiedereinführt?
Wenn Deutschland, eine der größten Exportnationen der Welt, die D-Mark wieder einführte, würden sofort viele Finanzinstitute massiv D-Mark kaufen. Die Folge: Die D-Mark würde stark aufgewertet werden. Mit einer aufgewerteten D-Mark würde sich der Zugang zum EU-Absatzmarkt mit 500 Millionen Kunden stark verschlechtern. Der Export, insbesondere der von Maschinen, eines der Hauptexportgüter Deutschlands, würde gebremst und tausende Menschen würden ihren Arbeitsplatz verlieren. Die deutsche Wirtschaft würde regelrecht abstürzen.
Welches Fazit lässt sich ziehen?
Ein Rauswurf Griechenlands und die Rückkehr zur D-Mark wäre ein Desaster für den gesamten Euro-Raum. Und mit dem Ende der gemeinsamen Währung wäre wohl das gesamte Europäische Projekt existentiell gefährdet. Populistische Schnellschüsse im Sinne eines Philipp Rösler, der Griechenlands Staatspleite als Handlungsoption ins Spiel bringt, sind der verzweifelte Versuch des FDP-Vorsitzenden, den freien Fall seiner FDP zu bremsen, schaden aber auf jeden Fall der europäischen Sache. Im Vergleich zu Rösler würde ein Vollbluteuropäer wie Hans-Dietrich Genscher Europa auf keinen Fall solchen Machtkalkülen opfern, wie dies der Praktikant im Bundeswirtschaftsministerium scheinbar billigend in Kauf nimmt.






























