MTB 17. November 2010 Grüne Liste Schriesheim
„Auf die Bäume!“
Von Dr. Barbara Schenk-Zitsch
„Gibt man Kindern eine Hütte, dann machen sie daraus Kleinholz. Gibt man ihnen Kleinholz, dann bauen sie daraus eine Hütte.“ (Bündnis „Recht auf Spiel“)
In der letzten Gemeinderatssitzung freuten wir uns, den neu gegründeten Pfadfinderverein „Stamm Bärengrund“ in das Schriesheimer Vereinsregister aufzunehmen.
Gerade in der heutigen Zeit ist ein solcher Verein ein Segen für die Kinder, denn sie spielen viel zu wenig in der Natur. Noch 1990 gaben in einer deutschen Studie drei Viertel der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren an, sich täglich im Freien herumzutreiben- 2003 waren es schon weniger als die Hälfte.
In der GEO ((8/10) wird das Recht der Kinder auf Wildnis, Freiheit und Natur treffend geschildert:
Autor Andreas Weber propagiert in „Zurück auf die Bäume“, dass „ohne Abenteuer die Glanzmomente der Kindheit verloren gehen“ und „Naturentzug Leib und Seele schadet.“ Wenn seine Kinder schlecht gelaunt in der Gegend herum lungern, zanken oder auf ihrer Play Station herumdrücken, schickt er sie in die Natur, wo sie in Freiheit herumstreifen, Baumhäuser bauen, Käfer und Vögel beobachten, toben und sich schmutzig machen.
Wie sollen Kinder ein Gefühl für Naturschutz entwickeln, wenn sie die Natur nur in der Theorie kennen lernen, wenn vergessen wird, ihnen nahe zu bringen, dass es Bäume und Vögel, Käfer und Blumen, Wasser, Matsch und Erde gibt? Viele Kinder werden überbehütet, aus Angst, es könne ihnen etwas zustoßen. Statt zu laufen, oder mit dem Fahrrad zu fahren, werden sie selbst kurze Strecken zur Schule oder zu Freunden kutschiert und „spielen lieber drinnen, denn da gibt es Steckdosen.“
Aber sie versäumen das Wichtigste, denn „beim Spiel in der Natur werden die Kinder wieder zu „Urmenschen“: Sie spüren mit allen Sinnen, was es heißt, in der Welt zu sein. Selbst das schönste Kinderzimmer ist dafür kein Ersatz.“
Neue Situationen zu bewältigen, gewährt Autonomie- und somit die Reifung zur eigenständigen Persönlichkeit. Viele Eltern verplanen stattdessen- mit den besten Vorsätzen- die Zeit ihrer Kinder, finanzieren diesen und jenen Kurs, der das Kind weiterbringen soll, um es für die Zukunft „wettbewerbfähig“ zu formen.
„Der Abschied von der Natur ist nicht folgenlos. Denn mit dem Schwinden des ungezügelten Spiels im Freien droht etwas Unersetzliches verloren zu gehen: die Möglichkeit seelische, körperliche und geistige Potentiale zu entfalten, dass Kinder zu erfüllten Menschen werden.
Wird ihnen die Freiheit verwehrt, unkontrolliert von Erwachsenen in einer selbst gewordenen- nicht künstlich gefertigten- Welt Erfahrungen zu machen, können Kinder zentrale Fertigkeiten nur sehr schwer entfalten. Ohne die Nähe zu Pflanzen und Tieren verkümmert ihre emotionale Bindungsfähigkeit, schwinden Empathie, Fantasie, Kreativität und Lebensfreude.
Natur ist ein Spiegel in dem das Kind sich selbst erkennt, als Teil des Ganzen.“










































