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Dr. Barbara Schenk-Zitsch
Dr. Barbara Schenk-Zitsch

MTB 17. August 2011 Grüne Liste Schriesheim

Der Mensch in der Masse

Von Dr. Barbara Schenk-Zitsch

Wie verhalten sich Menschen in der Masse? Wie konnte es zu den tragischen Ereignissen der Loveparade in Duisburg kommen? In der ZM17A habe ich einen aufschlussreichen Artikel der Journalistin Susanne Theisen entdeckt, den ich gekürzt und leicht verändert wiedergeben möchte:

Massenturbulenzen entstehen bei einer zu hohen Personendichte. Die Regel: Wenn sieben oder mehr Menschen sich auf einem Quadratmeter zusammenfinden, verhält sich die Masse wie eine Flüssigkeit- es kommt zu wogenden Bewegungen. Wird der Druck zu groß, hebt man durch die entstehenden Wellen vom Boden ab und wird meterweit weggetragen. Dadurch verliert der Einzelne die Kontrolle über seinen Körper, er kann nicht mehr richtig atmen oder er fällt durch die Hitze in Ohnmacht. Zu solchen „crowd turbulences“ kommt es, wenn z.B. vor einem Eingang mehr Menschen durch das Nadelöhr hineindrängen, als passieren können. Die Wartenden reagieren mit Ungeduld, schieben nach vorne oder versuchen, aus dem Pulk herauszukommen. Dadurch entstehen ungeordnete Bewegungsströme, die zu noch mehr Stillstand führen, weil die „Bahnbildung“ gestört wird.

Verkehrsforscher haben herausgefunden, dass Fußgängerströme sich selbst organisieren- ohne daß Strukturen von außen vorgegeben werden. Das kann man bei Einkaufsstrassen beobachten, bei denen sich Bahnen herausbilden, auf denen alle in eine Richtung laufen.

Wenn also keine Balance zwischen Zu- und Abgang auf einem Gelände besteht, brechen eben noch funktionierende Fußgängerströme zusammen. Die kann zu „crowd desasters“ führen, wozu Massenpaniken gehören.

Im Moment der Panik reagieren Menschen vollkommen irrational, denn sie sind im Zustand absoluter Führungslosigkeit. Meist genügt es schon, wenn sich zu viele Menschen auf engem Raum bewegen und die Panikreaktion einer Einzelperson beobachten. Das auslösende Ereignis muss nicht einmal lebensbedrohlich sein- die im Moment des Beobachtens gefühlte Gefahr gibt den Ausschlag und potenziert sich schnell in der Masse. Veranstalter können Gefahren minimieren, indem sie im Vorfeld ein Mobilitätskonzept ausarbeiten, um die Besucherströme effizient zu lenken.#Bei der Loveparade diente der Tunnel, in dem sich die Todesfälle ereigneten, als Aus- und Eingang gleichzeitig.

Wissenschaftler, die sich mit der „Schwarmintelligenz“ von Tieren beschäftigen, haben herausgefunden, dass Heringsschwärme sich pfeilschnell durch das Wasser bewegen und schlagartig ihre Richtung wechseln können, ohne zusammenzustoßen.

Sie haben herausgefunden, dass der Richtungswechsel nicht gleichzeitig erfolgt, sondern einige wenige Fische damit beginnen. Die anderen folgen in extrem kurzen Zeitabstand. Heringe folgen drei Grundsätzen: bei der Gruppe bleiben, Zusammenstöße vermeiden, in die gleiche Richtung schwimmen wie der Nachbar.

Menschenmengen organisieren sich nach ähnlichen Prinzipien- ohne verbale Abstimmung.

Wie viele Führer werden gebraucht, um eine Menschenmenge effizient zu leiten? Als entscheidenden Sicherheitsfaktor benennt Schwarmforscher Jens Krause die Anzahl der Ordner; sie sollten fünf bis zehn Prozent der Besucher von Großveranstaltungen betragen. Die Sicherheitskräfte müssten „nicht gestikulieren oder über das Megaphon sprechen, sie müssen nicht einmal eine Uniform tragen“. Sie müssten sich einfach nur deutlich und zielgerichtet bewegen- dann werden sie von den anderen kopiert.

 

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