MTB 15. Dezember 2010 Grüne Liste Schriesheim
Stolpersteine für Schriesheim
Von Dr. Barbara Schenk-Zitsch
In der letzten Sitzung des Jahres entschied der Gemeinderat mit großer Mehrheit, dass auch in Schriesheim Stolpersteine verlegt werden sollen. Für die Grüne Liste begründete ich unsere Zustimmung mit folgender Rede:
„Nicht das Wegsehen, sondern das Hinsehen macht die Seele frei.“ (Theodor Litt)
Heute ist ein denkwürdiger Tag für die „Initiative Stolpersteine für Schriesheim“, der in die Annalen von Schriesheim eingehen wird. Wer mag sich in einer solch berührenden Stunde noch an den langen, „steinigen“ Weg erinnern, der Anfang 2007 mit dem ersten Gedanken an die Verlegung von Stolpersteinen auch in Schriesheim begann und heute mit der Befürwortung des Antrags durch den GR sein erstes Ziel erreichen kann- nämlich die „Stolper“- Steine ins „Rollen“ zu bringen.
- Stolpersteine stehen für eine besondere Erinnerungskultur zum Gedenken an das Schicksal der ehemaligen jüdischen Mitbürger, an Euthanasieopfer und Widerstandkämpfer.
- Stolpersteine sind ein dezentrales Denkmal, sie begleiten unser Alltagsleben, im Gegensatz zu den Gedenktafeln an der Kriegsopfergedenkstätte, die man bewusst zum Gedenken aufsucht.
- Stolpersteine sind- neben den Gedenktafeln an der Kriegsopfergedenkstätte - ein weiterer Schritt zur Vergangenheitsbewältigung in Schriesheim- als Erinnerung an die menschenverachtende Nazi-Herrschaft bedeutsam für Gegenwart und Zukunft.
Warum sollen, warum dürfen wir die Vergangenheit nie ruhen lassen? Primo Levi sagt „Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen, darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“
Was geschehen ist, kann keiner von uns ungeschehen machen, aber wir können daraus lernen und verhindern, dass es wieder geschieht. Für mich ist die Verlegung der Stolpersteine in Schriesheim eine Herzensangelegenheit, weil ich erreichen möchte,
- dass unsere Kinder und deren Kinder- die den Nationalsozialismus nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen- durch die Stolpersteine daran erinnert werden, welch großes Unrecht Menschen in ihrem Heimatort geschehen ist
- und die Stolpersteine für sie ein Symbol dafür sind, dass sich die Generation ihrer Eltern und Großeltern zu ihrer Vergangenheit bekennt und die Versöhnung sucht.
Denn: „Es kommt alles wieder, was nicht bis zu Ende gelitten und gelöst wird.“ (Hermann Hesse)
Die Stolpersteine sprechen besonders Kinder und Jugendliche an, wie ich selbst in Ladenburg erlebt habe. Hier werden die Stolpersteine sogar vom JGR gepflegt. Auf diese „beiläufige“ Weise wird Interesse und Anteilnahme für menschliche Tragödien der Vergangenheit geweckt, die sich direkt vor der Haustüre abspielten. Die jungen Menschen für die Untaten der Vergangenheit und deren Vermeidung in der Zukunft zu sensibilisieren, das ist das Hauptziel, das mit Stolpersteinen erreicht werden kann.
In einer nichtöffentlichen Informationsveranstaltung im April 2010 wurden bereits die Besitzer und Bewohner der für die Verlegung von Stolpersteinen in Frage kommenden Häuser eingeladen und die zahlreichen Interessierten ausführlich informiert. Bedenken wurden thematisiert und ausgeräumt. Alle Anwesenden gelangten zu der Überzeugung, dass Stolpersteine keine Steine des Anstoßes sind.
Stolpersteine machen keineswegs die jetzigen Besitzer und Bewohner für das Geschehen in der Vergangenheit verantwortlich, sondern sie sind dafür gedacht, die Erinnerung an die Opfer der Gewaltherrschaft lebendig erhalten. Wir sind sehr zuversichtlich, dass alle geplanten Steine im Einvernehmen mit den Besitzern verlegt werden können.
Der Dank von Gisela Reinhard und mir gilt allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe, die mit uns zusammen diesen langen Weg gegangen sind - und sicherlich gemeinsam weitergehen. Die Antragsteller für die Stolpersteine gehören zur letzten Generation, die für ihre Nachkommen solch ein Denkmal schaffen kann und will. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist."
>>> Zur Internetseite des Stolpersteine-Künstlers Gunter Deming










































