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Grünes Kommunalwahlprogramm 2009

MTB 15. Juli 2009 Bündnis 90/Die Grünen

Erneuerbare Energien auf Vormarsch: Strommarkt läuft -

trotz Pannen-AKWs

Auch nach dem langfristigen Ausfall des Atomkraftwerks Krümmel deutet nichts auf Stromknappheit hin. Die Strommärkte zeigen sich von der Stilllegung des Pannenreaktors ungerührt.

 

Noch wirbelt der schwere Störfall die Politik auf - so meldete sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer den Betreiber Vattenfall stützenden Botschaft zu Wort, während Bundesumweltminister Sigmar Gabriel Krümmel nie wieder ans Netz lassen will. Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger dagegen forderte letzte Woche (mit welcher Logik?), die Laufzeitbeschränkungen gleich für alle AKWs aufzuheben, und kündigte an, den Atomausstieg kippen zu wollen. Vielleicht glaubt er, was Vattenfall beteuert: Zu keiner Zeit habe eine Gefahr bestanden. „Wir sagen alles, was wir wissen.“ Das lässt tiefe Einblicke in die tägliche (Störfall-)Praxis zu – und beunruhigt. Die Atomaufsichtsbehörde ist nämlich nicht dieser Meinung. Der Störfall im Atomreaktor Krümmel zeigt: Das Unfallrisiko dieser Technologie ist nicht beherrschbar.

 

Die Preise an der Leipziger Strombörse haben auf das Ereignis nicht erkennbar reagiert. Obwohl in Krümmel eine Kraftwerksleistung von mehr als 1.300 Megawatt bis weit ins Jahr 2010 hinein ausfallen wird, erwarten die Marktteilnehmer keine Verknappung an Strom. Das ist umso beachtlicher, als derzeit auch noch eine ganze Reihe weiterer Atommeiler stillsteht: Biblis A und Biblis B sind ebenso in Revision wie Gundremmingen B und Philippsburg 2. Von 6.300 Megawatt installierter Atomkraft waren bei RWE kürzlich nur 2.450 verfügbar - das sind 39 Prozent.

 

In den letzten beiden Jahren hat die Atomkraft im Mittel noch zwischen 22 und 23 Prozent des Strombedarfs Deutschlands gedeckt, in diesem Jahr dürfte der Anteil nur noch knapp über 20 Prozent liegen und damit den niedrigsten Wert seit den Achtzigerjahren erreichen. Bundesweit ist die Produktion aller Atomkraftwerke nach dem Ausfall in Krümmel zeitweise auf 11.500 Megawatt gesunken, das entspricht 56 Prozent der installierten Leistung der Atomkraftwerke. Dennoch war Strom zu keinem Zeitpunkt knapp, eine Lücke bei der Stromversorgung ist an den Marktdaten nicht erkennbar.

                                                                   Quellen: mz 9.7.2009 und taz 11.7.2009


Atomkraftwerke abschalten: Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg!

Nach der Bundestagswahl entscheidet sich, ob der Atomausstieg endlich greift und sieben Altreaktoren abgeschaltet werden müssen. Viel hängt vom öffentlichen Druck ab. Wer sich hier einmischen will, kann eine Erklärung für den Atomausstieg unterzeichnen, die kurz vor der Wahl in bundesweiten Tageszeitungen veröffentlicht wird. Bis dahin sollen es mindestens 100.000 Unterzeichner/innen sein – rund 82.000 sind es bis jetzt.

 

Die Erklärung im Wortlaut:

Endlich soll der Atomausstieg greifen: Vier Reaktoren stehen vor der Abschaltung. Doch jetzt versucht die Atomlobby, den Ausstieg auf den Sankt Nimmerleinstag zu verschieben. Für längere Laufzeiten verspricht sie mehr Klimaschutz und niedrigere Strompreise. Den Lügen der Energiekonzerne gehen wir nicht auf den Leim. Wir Bürgerinnen und Bürger sagen Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg! Atomkraftwerke müssen abgeschaltet werden, denn:

  • Das Risiko von Unfällen steigt kontinuierlich. Die deutschen Reaktoren werden immer maroder. Die Gefahr eines SuperGAUs nimmt mit jedem Betriebsjahr zu. Vor Terrorangriffen sind Atomreaktoren nicht effektiv zu schützen.
  • Atomkraft macht Strom nicht billig, sondern Konzerne reich. Strom aus abgeschriebenen Reaktoren ist billig – und wird teuer verkauft. Mit jedem Jahr Laufzeitverlängerung spülen die Atomkraftwerke den Unternehmen rund 10 Milliarden Euro Gewinn in die Kasse.
  • Der Atommüll strahlt unbegrenzt. 450 Tonnen hochradioaktiver Müll entstehen jährlich in deutschen Atomreaktoren – ohne dass es eine sichere Entsorgung über Millionen Jahre gibt.
  • Atomkraft schützt nicht das Klima. Würden keine Atomreaktoren ausgeschaltet, gäbe es zu viel Strom auf dem Markt. Die Atomkonzerne würden dann noch stärker die Einspeisung von Strom aus Erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung behindern. Die Energiewende wäre gestoppt, noch ehe sie richtig begonnen hat.
  • Strom ist genug da. Das Umweltbundesamt hat es vorgerechnet: Wir können aus der Atomkraft aussteigen und auf neue Kohlekraftwerke verzichten, ohne dass der Strom knapp wird.

Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz gehört die Zukunft!

 

Die Aktion wird durchgeführt von „Campact“. Campact organisiert Kampagnen, bei denen Menschen sich übers Internet in aktuelle politische Entscheidungen einmischen - per E-Mail, Fax oder dem Griff zum Telefonhörer.

www.atomkraft-abschalten.de

Die Kampagne unterstützen breite Bündnisse von Organisationen: die klima-allianz und ATOMAUSSTIEG SELBER MACHEN.de, die Deutsche Umwelthilfe und der Deutsche Naturschutzring, das Umweltinstitut München e.V. und viele andere, von den alternativen Stromanbietern sind naturstrom und die Elektrizitätswerke Schönau dabei.

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