MTB 14. April 2010 Grüne Liste Schriesheim
Vertrauen
Von Dr. Barbara Schenk-Zitsch
Vertrauen ist laut Brockhaus die Zuversicht, der feste Glaube an jemandes Zuverlässigkeit, der feste Glaube daran, daß sich jemand in bestimmter Weise verhält. "Wir werden alle mit einem Urvertrauen geboren. Nach und nach entwickelt sich unser Verstand und wir werden misstrauischer, erst jetzt kann unser Vertrauen erschüttert werden, und das passiert dann, wenn wir etwas erleben, das nicht authentisch ist. Nicht authentisch bedeutet, dass das Gesagte und das Getane nicht deckungsgleich sind. (Psychotherapeutin Heuser, Tagesspiegel Berlin vom 1.7.2006)
Wenn z.B. eine Mutter ihrem Kind sagt, ich liebe dich, es aber nie richtig umarmt, wenn in der Politik Versprechen gemacht und nicht eingehalten werden, wenn Institutionen, in deren Hände wir „vertrauensvoll“ unsere Kinder geben, sie misshandeln und missbrauchen , dann wird Vertrauen ausgenutzt.
Tag für Tag werden wir vor die Frage gestellt, ob wir einem Menschen vertrauen können. Die Kriterien, an denen wir unsere Vertrauenswürdigkeit festmachen, sind recht unterschiedlich: spontane Sympathie, Intuition, Erfahrungen. Bei Erfahrungen mit nahe stehenden Menschen entsteht Vertrauen aus der Summe gehaltener Versprechen, d.h. Vertrauen kann man nicht einfordern, man muss es sich verdienen.
"Auf welcher Grundlage unser Urteil aber auch immer basiert, wir entscheiden uns letztendlich für oder gegen Vertrauen, mit der Folge, in dieser Entscheidung bestätigt oder aber auch enttäuscht zu werden. Logischerweise ist ein grundsätzlich hohes Vertrauen in die Welt das Ergebnis einer Vielzahl positiver Erfahrungen, während gegenteilige Erfahrungen eine pessimistische Grundhaltung, also ein erhebliches Misstrauen gegenüber der Welt bedingen. Dies kann verschiedene Lebensbereiche tangieren, je nachdem, welche Erfahrungen wir mit Lehrern, Freunden, Lebenspartnern oder Politikern machen." (Martin Schweer, WaS 12.03.2006)
"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?" Wie kann ich beurteilen, ob mein Vertrauen gerechtfertigt ist, besonders, wenn es in Bereichen verlangt wird, in denen ich es aufgrund mir nicht zugänglichen Informationen unmöglich kontrollieren kann, beispielsweise in der Politik? Ist es überhaupt moralisch vertretbar, in meinem Lebensumfeld Menschen daraufhin zu überprüfen, ob sie mein vertrauen auch verdienen? Oder ist es schlichtweg nur naiv und dumm, in der heutigen Zeit des Konkurrenz- und Nützlichkeitsdenkens noch unkontrolliert Vertrauen zu schenken?
Vertrauen bedarf wohl lebenslanges Lernens, um die rechte Balance zwischen Gefühl und Verstand, zwischen bedingungslosem Vertrauen und Misstrauen gegen alles und jeden zu finden.










































