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Dr. Barbara Schenk-Zitsch
Dr. Barbara Schenk-Zitsch

MTB 13. April 2011 Grüne Liste Schriesheim

Stammzellen

Von Dr. Barbara Schenk-Zitsch

Wie ich ausgerechnet auf dieses Thema komme und was es im örtlichen Mitteilungsblatt zu suchen hat? Ich denke, auch die Behandlung solcher Themen sind- neben der Bearbeitung lokaler Themen- wichtig, weil sie den Blick über den Tellerrand hinaus lenken und weil sie Menschenschicksale betreffen und so letztendlich doch jeden angehen. Ja, der Anlass zu diesem Artikel war der Aufruf in der Samstagausgabe des MM, an einer Typisierungsaktion für einen Leukämie kranken Studenten teilzunehmen, der auf eine Stammzellenspende angewiesen ist.

Bisher wurde in der Datei weltweit kein geeigneter Spender gefunden. Ich habe mich vor vielen Jahren als potentieller Spender registrieren lassen, denn man muss sich nur einmal vorstellen, der Mann, ein Kind oder ein Freund würde erkranken und wäre auf Hilfe angewiesen. Ein schrecklicher Gedanke, dass es irgendwo einen Menschen gibt, der ihn wahrscheinlich vor dem Tod bewahren könnte und der sich bewußt nicht meldet oder nichts von einer Suche weiß. Die Chance, einen geeigneten Spender zu finden, ist eh gering: Von einer Million Spendenwilligen kommt in Deutschland nur ein Mensch als passender Spender in Frage. Warum kann dem Kranken nicht einfacher geholfen werden?

Womit wir bei der medizinischen Forschung angelangt wären: Wissenschaftler sind schon seit vielen Jahren in der Stammzellenforschung aktiv. Da sie bevorzugt an embryonalen Stammzellen forschen, ist das Thema aus ethischer Sicht -über alle Parteien, Kirchen, Organisationen hinweg- schon immer in der berechtigten Diskussion.

Was sind embryonale Stammzellen?

Eine Eizelle wird befruchtet und teilt sich. Die ersten sieben Tage verläuft die Teilung so, dass sich lauter identische Zellen bilden, genannt Stammzellen, die omnipotent sind, d.h. sie können sich in alle 200 möglichen Zelltypen differenzieren. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der Embryo im Blastozytenstadium- er ist ein winziger Zellhaufen, der an eine Himbeere erinnert. Danach beginnen die Zellen sich zu spezialisieren- sie werden zu Herzzellen, Lungenzellen, Hautzellen…

Auch im ausgewachsenen Körper gibt es noch „adulte“ (erwachsene) Stammzellen, die auch noch die Fähigkeit zur Spezialisierung mitbringen, die beispielsweise auf die Erneuerung von Knochenmark ausgerichtet ist, dieses Verfahren ist aber technisch sehr viel anspruchsvoller und auch noch nicht überall einsetzbar. So wird klar, dass die „omnipotenten“ Zellen des bis zu sieben Tage alten Embryos hauptsächlich und bevorzugt für die Forschung in Frage kommen.

Das Stammzellengesetz in Deutschland wurde in einem Kompromiss 2008 gelockert: Der Stichtag für den Import embryonaler Stammzellen aus dem Ausland wurde von 2002 auf 2007 verschoben, um den Forschern zu ermöglichen, jüngere, bessere Zelllinien im Ausland zu erwerben, da in Deutschland keine embryonalen Stammzellen erzeugt werden dürfen.

Aus der Begründung der Gesetzesvorlage:

„… die Ausweitung sei verantwortbar, um Wissenschaftlern in einem schmalen Korridor die Forschung mit jüngeren, embryonalen Stammzellen zu ermöglichen. Eine solche Ausweitung sei auch mit der Verfassung vereinbar. Der Staat habe zwar die Pflicht, menschliches Leben zu schützen. Genauso müsse er aber darauf achten, dass die Freiheit der Forschung nicht eingeschränkt werde. Eine Verschiebung des Stichtages sei deshalb ein „fairer Ausgleich“ zwischen kontroversen Positionen….“

(der zweite Teil über PID folgt nächste Woche)

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