MTB 07. Oktober 2009 Bündnis 90/Die Grünen
Klimaschutz I: Hintergründe und Fakten
Eine gigantisches Wachstum bei der Weltbevölkerung von 4 Milliarden im Jahr 1972, 6 Milliarden im Jahr 2000, wahrscheinlich 7 Milliarden im Jahr 2012 und 9 Milliarden im Jahr 2050 gepaart mit einem enorm steigenden Ressourcenverbrauch an endlichen Gütern wie den fossilen Energieträgern Erdöl, Erdgas, Kohle sowie an Rohstoffen, sauberem Wasser und Nahrungsmitteln haben in einigen Bereichen schon die Grenzen des Wachstums überschreiten lassen. Einher geht dieser Ressourcenverbrauch mit einer globalen Umweltzerstörung und Verteilungskämpfen um Rohstoffe und Trinkwasser.
Am deutlichsten wird dies bei der Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für das Treibhausgas Kohlendioxid mit allen seinen Folgen für einen globalen Klimawandel. Das Horrorszenario eines drastischen Klimawandels sieht, wenn wir es nicht stoppen, folgendermaßen aus:
- Erwärmung der Erde und Abschmelzen der grönländischen Eismassen
- Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 6 Meter. Ganze Staaten wie Bangladesch und Teile der Niederlande und Florida versinken im Wasser bzw. müssten gewaltige, kostenintensive Deichbaumaßnahmen ergreifen. Wetterbedingte Schäden und Anpassungsmaßnahmen wie der Deichbau könnten 1/5 der globalen Wirtschaftsleistung kosten.
- Auftauen der Permafrostböden in Sibirien
- Freisetzung des unter dem Dauerfrostboden gespeicherten Methangases, das fünzigfach stärker wirkt als Kohlendioxid
- Extremwetterlagen, Stürme, Dürren, Hochwasser
- Selbstverstärkung des Klimawandels, weil eine eisfreie Zone das Sonnenlicht nicht mehr reflektiert und zu einer weiteren Erderwärmung führt.
Global gesehen hilft nur ein radikales Umsteuern in der Klimaschutzpolitik, nämlich weg von der Abhängigkeit fossiler Energieträger. Die Atomenergie, auf die die neuen Regierungsparteien CDU/CSU und FDP setzen, ist keine Lösung des Problems. Die weltweit 430 Atomkraftwerke decken gerade mal 3% des globalen Energiebedarfs. Sie sind ein Sicherheitsrisiko, weil sie Ziele für Terroristen sind und Orte für die Herstellung atomarer Waffen sein können. Die Uranvorräte reichen bei heutiger Verbrauchsrate nur noch etwa 60 Jahre. Außerdem gibt es ungelöste Endlagerprobleme. Dass die vier großen deutschen Energiekonzerne jetzt nach dem Regierungswechsel lautstark eine Verlängerung der Laufzeiten der ihrer Atomanlagen fordern, hat nur was mit deren dadurch zu erlangen Milliardengewinnen zu tun.
Die Lösung des Problems muss sein ein Abgehen von den fossilen Energieträgern Erdöl, Erdgas und Kohle sowie der Atomkraft. Stattdessen Ausbau der regenerativen Energieträger, Energieeffizienz und Energiesparen. Wie eine Kommune dies auf lokaler Ebene schaffen kann, soll in der nächsten Ausgabe am Beispiel der Stadt Tübingen aufgezeigt werden.
Wolfgang Fremgen









































