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Dr. Barbara Schenk-Zitsch
Dr. Barbara Schenk-Zitsch

MTB 3. Oktober 2010 Grüne Liste Schriesheim

Prinzessin

Von Dr. Barbara Schenk-Zitsch

Kinder sind unsere Zukunft, Kinder sind das Beste und Wichtigste im Leben der Eltern. Kinder brauchen Unterstützung - von ihrer Familie und vom Staat. Im Bereich der Kinderbetreuung hat sich die letzten 20 Jahre ein grundlegender Wandel vollzogen. Heute können Mütter schon kurz nach der Geburt wieder ihrem Beruf nachgehen, da ihnen sehr flexible Betreuungsmodelle geboten werden. Früher war „alles anders“; meine Kinder wurden in einer „Notgruppe“ betreut, wenn ich es nicht schaffte, sie Punkt zwölf Uhr vom Kindergarten abzuholen und Betreuung für unter Dreijährige gab es nicht, das musste man privat organisieren.

Und zu Hause? War es zum Schaden der Kinder, wenn ihnen nicht jeder Wunsch erfüllt wurde?…wenn sie ein wenig mithelfen mussten und wenn der gesamte Tagesablauf sich nicht nur nach ihren Bedürfnissen und Wünschen richtete?

Eine Erziehung, die Werte wie Pflichtbewusstsein, Leistungsfähigkeit, Ausdauer und Konfliktfähigkeit vermittelt, galt schon vor 20 Jahren als „strenge“ Erziehung. Um nicht falsch verstanden zu werden- Kinder sollen spielen, Quatsch machen, in der Familie Mittelpunkt sein, aber es müssen ihnen auch klare Grenzen gesetzt werden und sie müssen lernen, dass Erfolg haben mit Anstrengung verbunden ist.

Wenn ich heute in der Tageszeitung immer häufiger Anzeigen lese, in denen Eltern und Großeltern Kindern zu ihrem 1(!) Geburtstag gratulieren, bezweifle ich, ob sie sich mit dieser Überprotektion einen Gefallen tun. Du lieber Himmel, soll damit etwa suggeriert werden, dass der Spross schon lesen kann?

Man kann sich unschwer vorstellen, wie diesem Kind innerhalb der Familie geschieht: Jeder Wunsch wird dem „Hochbegabten“ von den Augen abgelesen. Wie kann das ein wehrloses Wesen verkraften? „Prinzessin Lola, die Erste feiert heute ihren 6. Geburtstag. Der gesamte Hofstaat gratuliert dem Supermädchen …“ Kindergarten und Schule sollen dann richten,was Eltern versäumen- nämlich „Prinz und Prinzessin“ mit der Realität des Lebens vertraut zu machen.

Vielleicht sind derartige „Auswüchse“ auch nur dem Konkurrenzdenken der Eltern (Wer ist der/die Erste, im ganzen Land?) geschuldet? Aussagen wie „Was, Ihr Kind kann noch nicht krabbeln?“, „Ihr Kind kann mit fünf Jahren noch nicht lesen?“, mögen schon bei mancher Mutter Zweifel an der „Qualität“ ihres eigenen Nachwuchses gesät haben.

Oder sollte man über diese öffentlich zur Schau gestellten Liebesbeweise einfach schmunzeln? Denn ehrlich- wer möchte nicht als die beste Mutter weit und breit gelten? Auch ich habe noch immer ein schlechtes Gewissen, weil ich vor 15 Jahren als Einzige ein (misslungenes) Kindergarten Foto meines Sohnes verschmäht habe.



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