MTB 2. Februar 2011 Grüne Liste Schriesheim
Nichtraucherschutz in Zelten ab Mathaisemarkt 2012
Von Dr. Barbara Schenk-Zitsch
Unser Antrag auf Nichtraucherschutz in Bier-, Wein-, Festzelten und Gewerbezelten wurde einstimmig in der Gemeinderatsitzung am 26. Januar befürwortet. Den diesjährigen Mathaisemarkt bereits „rauchfrei“ zu feiern, wurde mit 9:11 Stimmen knapp abgelehnt.
Meine Begründung unseres Antrages:
Warum wollen wir, dass am Mathaisemarkt in den Zelten nicht mehr geraucht werden darf?
Garantiert nicht, um Raucher zu schikanieren, den Festzeltwirt zu verärgern und den BDS zu brüskieren. Keiner spricht Rauchern ab zu rauchen. Aber es kann und darf in der heutigen Zeit nicht mehr sein, dass wissentlich und absichtlich Unbeteiligte mit den Giftstoffen des Tabakrauches kontaminiert werden dürfen. Auch das BVG hat in Urteilen bestätigt, dass es Rauchern zugemutet werden kann, zum Rauchen ins Freie zu gehen und Kinder und Jugendliche bis 18 eigentlich nirgendwo beraucht werden dürfen.
Was in anderen Ländern (Schottland, Irland, Spanien, Italien, Bayern) schon selbstverständlich ist und volle Akzeptanz genießt, ist auch in Schriesheim umsetzbar. Beschwert sich etwa jemand, wenn er auf Langstreckenflügen nicht rauchen darf? Und da kann keiner ins Freie gehen! Wer verzichtet auf ein Bundesligaspiel in Hoffenheim, weil dort nicht geraucht werden darf? Im Übrigen bevorzugen sogar 70% der Gelegenheitsraucher und 40% der starken Raucher eine rauchfreie Gastronomie!
Bereits ein Jahr nach Einführung eines Rauchverbotes, wird sich schon keiner mehr daran erinnern, dass es mal anders war, so sind jedenfalls die Erfahrungen in der Gastronomie!
Warum wollen wir das Rauchverbot schon vor einer gesetzlichen Regelung?
Inzwischen gibt es national und international Hunderte wissenschaftlicher Studien, deren Erkenntnisse über massive Gesundheitsschäden durch Passivrauchen es dringend erforderlich machen, möglichst schnell zu handeln (Das DKFZ hat darüber sehr viel Literatur, auch über eigene Forschungsergebnisse).
Wichtig zu wissen ist:
Tabakrauch ist krebserzeugend, erbgutschädigend und fruchtschädigend. Es gibt keine Tabakrauchkonzentration, die medizinisch unbedenklich ist! Besonders die Schädlichkeit des Passivrauchens auf den kindlichen Organismus ist inzwischen ausreichend erforscht.
Kinder atmen schneller und haben noch nicht voll entwickelte Organe und nehmen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht ein Vielfaches an giftigen Bestandteilen des Tabakrauches auf. Der Umwelttoxikologe Prof. Wiebel spricht davon, dass die Tabakexposition von Kindern fahrlässig sei und an Körperverletzung grenze. Er hat in 8 Festzelten einen Messtest durchgeführt und der Richtwert der WHO für die Schadstoffkonzentration lungengängiger Feinpartikel war um mehr als das 20fache überschritten!
Auch haben Erwachsenen haben eine Vorbildfunktion den Kindern den Weg in eine Rauchfreie Zukunft zu ebnen. Deshalb ist die Formulierung der Verwaltung am Ende der Vorlage unverständlich und nicht nachvollziehbar , da sie die Notwendigkeit zu Handeln wieder in Frage stellt: „…es muss jedoch darüber nachgedacht werden, ob man sich wirklich über die gesetzlichen Bestimmungen hinwegsetzen will und ob man mit einem Rauchverbot dem Mathaisemarkt nicht eher schaden könnte.“
Ein Rauchverbot schadet garantiert nicht, sondern macht für viele Menschen (75% sind keine Raucher!) die Zelte erst wieder nutzbar und attraktiv, besonders für Familien mit Kindern und besonders für ältere Mitbürger mit Lungen- und Atemproblemen, die dort endlich befreit aufatmen können.
Die Stellungnahme des BDS, die das Rauchen verharmlost, hält keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand und sollte auch von der Verwaltung nicht in ihre Begründung einfließen. Fakt ist, dass Lüften etc. kaum etwas nützt (außer dass der Feinstaub aufgewirbelt wird) und dass bei fortgesetzter Rauchbelastung nicht einmal ein Luftaustausch mit Windstärken eines Tornados zu einer vollständigen Beseitigung der Schadstoffe des Tabakrauches führt.
Auch bezüglich des „Überlebens“ des Welde Standes müssen wir uns keine Sorgen machen.
- Zwanzig Studien aus Ländern, die beim Nichtraucherschutz Vorreiter sind, belegen, dass es aufgrund eines Rauchverbotes nicht zu Umsatzeinbußen kommt. Die Wirte auf dem „ rauchfreien“ Oktoberfest haben es „überlebt“. Der Festzeltwirt Maier teilt diese Bedenken ebenfalls nicht.
- Auch besteht eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber den Schriesheimer Straußwirtschaften, in denen nicht geraucht werden darf.
- Übrigens darf auch wegen brandschutztechnischer Vorschriften in den Ausstellungszelten des Maimarktes nicht geraucht werden! Ich habe auch bei vielen BDS in der Umgebung nachgeforscht und habe keine Gewerbeschau gefunden, bei der geraucht werden darf.
Ein Rauchverbot im BDS-Zelt würde schon für 2011 keinerlei Aufwand bedeuten, ein Seiteneingang am hinteren Ende des Zeltes ist sowieso schon für Toilettengänge geöffnet, hier könnten Raucher problemlos im Freien rauchen.
Bleibt noch die potentielle Gefahr durch das Gedränge am Festzelteingang
Wir haben den Antrag vier Monate vor Beginn des Mathaisemarktes vorgelegt (beim Oktoberfest hatten die Verantwortlichen gerade 10 Wochen Zeit für die Umsetzung des Rauchverbotes!), unserer Meinung nach genügend Zeit für die Erstellung eines Konzeptes, um das Gedränge vor dem Zelt, das ja schon seit Jahren besteht, zu regeln. Laut Festzeltwirt Maier besteht Handlungsbedarf nur zwei Mal am Samstag Abend, an dem das Zelt überfüllt ist. Das sind einige wenige „problematische“ Stunden des 7,5 Tage dauernden Mathaisemarkts, die die Verantwortlichen in den Griff bekommen müssten!
Natürlich kommen jetzt noch Raucher hinzu, aber das Problem ist ja nicht neu! Über die Anzahl der Raucher, die wahrscheinlich vor dem Zelt Rauchen würden, kann nur spekuliert werden, auch deshalb wäre ein „Probelauf“ zu dem diesjährigen Mathaisemarkt eine gute Erfahrung, auf dem man aufbauen könnte.
Von jungen Mitbürgern haben wir konkrete, sinnvolle Anregungen zur Entzerrung der Situation vor dem Zelt erhalten, die nicht nur Rauchern zugute kämen. Deshalb glauben wir, dass die Verwaltung mit den Beteiligten noch durchaus ein erstes Konzept für 2011 erstellen könnte. Wir glauben auch, dass sich bei einer schlüssigen Lösung die Zeltbetreiber nicht auf ihre Verträge berufen würden. Unser Antrag bietet hierzu die beste Gelegenheit. Man hätte dann auch für 2012 Klarheit, mit wie vielen Rauchern vor dem Zelt zu rechnen ist und könnte das Konzept zu optimieren. Hätten wir schon jetzt ein gesetzliches Rauchverbot für die Zelte, müsste ja auch eine praktikable Lösung gefunden werden.
Wir hoffen, dass der Gemeinderat dem Gesundheitsschutz insbesondere von Kindern den Vorrang vor lösbaren Problemen mit der Umsetzung des Nichtraucherschutzes gibt.










































