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Dr. Barbara Schenk-Zitsch
Dr. Barbara Schenk-Zitsch

MTB 1. Februar 2012 Grüne Liste Schriesheim

Zum Holocaust-Tag am 27. Januar: Das Holocaust-Archiv in Bad Arolsen - zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Von Dr. Barbara Schenk-Zitsch

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Mit diesem Datum verbinden wir die Erinnerung an die Gräuel des Nazi-Regimes und die Mahnung, aus der Vergangenheit zu lernen. „Manchmal finden Sie schon bei der Einlieferung eines Häftlings den Vermerk „Rückkehr nicht erwünscht“; den werden Sie früher oder später hier finden“, berichtet der Leiter des Holocaust-Archivs in Bad Arolsen Udo Jost.
Im Totenbuch des KZ Mauthausen finden sich an einem Tag 300 Namen, ausnahmslos alle sind rot unterstrichen. Das Datum : 20. April 1942 – Hitlers Geburtstag. Hinter dem Massenmord steckte die sadistische Idee des Lagerkommandanten, vermutet Jost: „Wir machen dem Führer ein Geschenk und erschießen 300 Häftlinge.“
Das Archiv im nordhessischen Bad Arolsen ist das größte Holocaust-Archiv der Welt. Hier werden 50 Millionen Akten mit Hinweisen auf 17,5 Millionen Häftlinge und Zwangsarbeiter verwaltet, darunter auch die berühmte Liste von Otto Schindler, die etwa 1200 Juden das Leben rettete.
Was Historiker schon seit Jahren forderten, wurde im Juli 2006 Wirklichkeit. Vertreter aus 11 Staaten u.a. aus Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Großbritannien, Italien, Israel und den USA unterzeichneten ein Protokoll, womit den Forschern der Zugang zu den Daten des Internationalen Roten Kreuzes ermöglicht wird. Die Bestände waren bislang nur den unmittelbaren Angehörigen von Opfern zugänglich, Historiker hatten – angeblich aus Datenschutzgründen - bislang keinen Zutritt zu den Dokumenten. 
In der gigantischen Sammlung werden die Verbrechen des dritten Reiches so deutlich wie beim Besuch eines Konzentrationslagers. Archiviert wurden Transport- und Todeslisten der Konzentrationslager, Gestapo-Notizen, Berichte über medizinische Versuche und Häftlingspersonalkarten, auf denen die Nazis Angaben zu Vorstrafen, Homosexualität oder Rassenzugehörigkeit notierten.
Es gab fünf Vernichtungslager und 22 KZ-Hauptlager – vom Eingang bis zum Ausgang wurde alles registriert – von Auschwitz bis Treblinka, mehr als 25 Regalkilometer mit 47 Millionen Einzelnachweisen über nationalsozialistische Verbrechen!
Die Wahrheit über die nationalsozialistischen Verbrechen darf nie in Vergessenheit geraten und muss uns allen Mahnung für Gegenwart und Zukunft sein. „Seit damals (1937) frage ich nicht mehr, wem eine Wahrheit nützlich oder schädlich sein könnte; um sie zu äußern und zu verteidigen, genügt es mir, sie als solche erkannt zu haben. Die Möglichkeit, dass sie auch dem Gegner in den Kram passen könnte, vermindert ihren Wert ebenso wenig wie dass sie diese oder jene liebgewordene Gewissheit zu erschüttern oder gar zu zerstören vermöchte. Die Wahrheit ist nicht funktionell, nicht taktisch und nicht parteiisch, aber brauchbar und leider auch leicht missbrauchbar.“

(Manes Sperber)

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