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Grünes Kommunalwahlprogramm 2009

13. Juli 2009 Dokumentation zum Genmais Teil I

Die Geschichte vom Wolf im Schafspelz und wie er in Deutschland heimisch wurde…

Eine Atempause für BürGenland, die Bürgerinitiative, die sich in Ladenburg und Umgebung für  eine gentechnikfreie Landwirtschaft einsetzt. Vor einigen Wochen wurde der Anbau des umstrittenen Maises MON 810 in Deutschland verboten, noch rechtzeitig vor der Aussaat, die zum dritten Mal in Folge auch dieses Jahr wieder von einem Ladenburger Bauern geplant war.


Im vergangenen Jahr wurden die entsprechenden Felder im Auftrag des Bundessortenamtes durch die Mitglieder eines privaten Sicherheitsdienstes „bewacht“, dabei kam es im Rahmen einer angemeldeten Demonstration zu Übergriffen seitens der Wachleute, durch die ein Journalist verletzt und seine Kamera beschädigt wurde. Nicht vergessen ist auch, wie in diesem Zusammenhang wieder in der RNZ zu lesen war, dass ein alt eingesessener Schriesheimer Landwirt diese Tätlichkeiten noch mit einem Geschenk und seinem herzlichen Dank „für den Schutz von privatem Eigentum und der Freiheit der Wissenschaft“ honorierte, eine Aktion, die, wie er damals – nicht ganz korrekt - erklärte, mit dem stellvertretenden Bürgermeister abgesprochen gewesen sei. Der stellvertretende Bürgermeister distanzierte sich später von der Gewalt, inhaltlich fand die Aktion jedoch seine Unterstützung.

 

Vor wenigen Wochen wurden die Wachleute – von denen einer bereits einschlägig vorbestraft war - nun wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Nötigung rechtskräftig verurteilt.

 

Man halte sich nun einmal dieses Szenario genau vor Augen: Eine Bundesbehörde stellt –vorbestrafte - Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes ein, um den Anbau einer Pflanze, die bereits in vielen europäischen Ländern wegen ihrer Risiken nicht angebaut werden darf, zu schützen. Noch dazu wird, als es dabei zu Übergriffen auf Teilnehmer einer genehmigten Demonstration auf öffentlichen Wegen kommt, von verschiedenen Seiten, so u.a. auch von Landwirtschaftsminister Hauk, Verständnis für die Wachleute geäußert.


Es gehört nicht allzu viel Phantasie dazu, in diesen Ereignissen das schleichende Einwandern der Firma Monsanto mit ihren subtilen Strategien zu erkennen. Beispiele, wohin der Weg mit diesen Geschäftspraktiken und dieser Technologie weiter führen wird, gibt es aus anderen Ländern genug, verbunden mit den dringlichen Appellen betroffener und geschädigter Landwirte, nicht die gleichen Fehler zu begehen und auf diese Form der Landwirtschaft zu setzen, wie man zuletzt am 13. Juni in der FAZ nachlesen konnte.


Noch ist es nicht zu spät, die Verflechtungen, die der Konzern zu schaffen weiß, zu stoppen. Doch dazu ist eine offene und kritische Auseinandersetzung mit dem Thema notwendig. Zu schnell werden warnende Stimmen mit dem Argument der Technikfeindlichkeit und dem finalen Ausbremsen von Wissenschaft und Forschung mit katastrophalen Folgen für die heimische Wirtschaft mundtot gemacht. Eine weitere gern vorgebrachte These ist, dass anders der Hunger in der Welt nicht zu besiegen sei, ein Argument, dem sich viele nicht entziehen können. Könnten wir, die wir so sehr im Überfluss leben, so nicht wirklich etwas Gutes tun für die, die es nicht so gut getroffen haben wie wir?


Nein, können wir auf diese Weise nicht, und auch das ist bereits hinlänglich bekannt. Mit Patenten auf Pflanzen, die zu den Grundnahrungsmitteln gehören, werden traditionelle Landwirtschaftsformen zerstört und kleine Bauern in Abhängigkeiten getrieben. Man muss sich nur einmal anhören, was Entwicklungshilfeorganisationen wie z.B. ‚Brot für die Welt’ zu sagen haben. Man darf aber nicht Augen und Ohren verschließen und vorbehaltlos das Mantra der großen Agrarkonzerne herunterbeten. Oder genervt über das Thema zur Tagesordnung übergehen.


Wir müssen hinterfragen, wie es kommen kann, dass eine Bundesbehörde vorbestrafte Kriminelle einstellt und sie noch dazu mit Aufträgen betraut, die sich auf juristisch unsicherem Boden bewegen. Wir müssen hinterfragen, wie es sein kann, dass eine Firma – ein wirtschaftliches Unternehmen - Patente auf Pflanzen und inzwischen auch Nutztiere anmelden darf, durch die sie über wesentliche Teile der Grundnahrungsmittel verfügen und bestimmen kann. Wie überhaupt jemand Pflanzen, Tiere – also Leben – patentrechtlich schützen lassen kann.

 

Wir müssen die Augen aufmachen. Jetzt.

                                                                                             Dr. Claudia Kockrow

 

 

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