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Stadtrat Christian Wol
Stadtrat Christian Wolf

21. Juli 2010 Rede von Stadtrat Christian Wolf, Fraktionssprechers der Grünen Liste Schriesheim, im Schriesheimer Gemeinderat

Zur Gestaltung des Altenbacher Schulhofs

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Vorab möchten wir uns ganz herzlich bei der Familie Plattner für die großzügige Spende bedanken. Ohne diese Spende würden wir heute nicht über den Schulhof reden. Wir nehmen die Spende gerne an und hoffen, dass wir eine Planung bekommen zum Wohle von Altenbach, für die Bürgerinnen und Bürger, für die Eltern, die Kinder und für die Schule.

In Altenbach hat der demografische Wandel begonnen, wir sind im Gegensatz zur Kernstadt schon sehr stark vom Bevölkerungsrückgang betroffen. Unsere Einwohnerzahl ist von rund 2100 vor ca. 10 Jahren auf 1937 Einwohner zurückgegangen, ein Rückgang von rund 10 %. In der Schule gab es noch vor 10 Jahren über 100 Kinder (98/99: 105), heute sind es gerade mal noch 69, ein Rückgang von über 30 %. Ein kontinuierlicher Rückgang an Einwohnern und noch stärker an Kindern! Das ist besorgniserregend und da müssen wir deutlich gegensteuern! Wir haben das schon beim Kindergarten getan, aus dem traditionellen Kindergarten ist ein Kinderhaus geworden mit verbesserten Betreuungsmöglichkeiten.

Als nächster Schritt muss nun der Schulhof dran sein. Wir brauchen einen attraktiven Schulhof für unsere Altenbacher Kinder und für diejenigen, die vielleicht mal nach Altenbach ziehen möchten. Wir müssen alles dafür tun, dass Altenbach wieder für Familien mit Kindern interessant wird.

Ein attraktiver Schulhof hat vielfältige Funktionen und deshalb auch vielfältige Zonen:

Er braucht eine Raumgliederung, er soll Lern- und Lebensraum sein.

Die Kinder haben das Bedürfnis nach Spiel und Bewegung, Ruhe und Kommunikation. Deshalb brauchen wir Ruhezonen, Spielzonen, oder auch Zonen für Kreativität.

Diesen Bedürfnissen müssen wir gerecht werden. Unsere Kinder haben ein Recht auf einen ansprechenden Schulhof.

Wobei wir bei den uns vorliegenden Zeichnungen wären. Diese Zeichnungen zeigen uns leider einen ziemlich leeren Platz, der vorrangig als Parkplatz genutzt werden soll. Die Schulkinder dürfen dann morgens auch auf den Platz.

Die Zeichnungen zeigen auch, dass das graue Pflaster gegen ein rotes Pflaster ausgetauscht werden soll. Die jetzige Mauer soll an gleicher Stelle durch eine neue Mauer ersetzt werden. Es sollen ca. 10 Bäume gepflanzt werden und der Podest vor der Mehrzweckhalle soll in Richtung Schule erweitert werden.

Das ist im Großen und Ganzen der gesamte Plan. Leider ist sehr Vieles an diesem Plan schlecht durchdacht. Zum Beispiel die Mauer. Im Moment schließt die Mauer zwischen Straße und Schulhof ebenerdig zum Schulhofbelag ab. Darauf ist ein 2m hoher Zaun zur Abgrenzung. Die neue Mauer soll 1,10 m höher werden als der Schulhofbelag. Das ist als Abgrenzung zur Straße deutlich zu wenig, die Kinder können darüber klettern, sie werden darauf balancieren, es gibt Geschubse und schon liegt ein Kind auf der Straße. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Gemeindeversicherungsverband eine solche Mauer als Abgrenzung zur Straße genehmigt.

Außerdem stört diese Mauer die vielbeschworene Sichtachse. Es sollte eine Sichtachse bis zur ev. Kirche entstehen, wenn man mit dem Auto nach Altenbach hinein fährt. Die Mauer steht dieser Sichtachse entgegen, die jetzige Mauer aber nicht. Es wäre besser, wenn man die vorhandene Mauer erhält.

Schlecht durchdacht ist auch die Anordnung der neuen Bäume. Im Moment haben wir eine kleine Grünfläche zwischen dem Zaun und dem Schulhof – etwa 1m breit. Dort wachsen Bäume und Sträucher. Die Grünzone trennt den Schulhof optisch von der Straße. In der neuen Planung gibt es keine Grünfläche mehr, sondern nur Bäume mit Baumscheiben. Wenn man weiß, dass auf der jetzigen Grünfläche vor einiger Zeit 2 Bäume gefällt wurden, weil sie die Schiffsschaukel bei der Kerwe behinderten, dann erahnt man schnell, dass mit dieser Anordnung der Bäume keine Schiffsschaukel mehr auf die Altenbacher Kerwe kommen kann. Die Beibehaltung der Grünfläche wäre auch deshalb die bessere Lösung.

Ebenfalls schlecht durchdacht ist die Abgrenzung des Schulhofes nach rechts und links. Dort sollen weiterhin – wie bisher – Ketten angebracht werden. Diese Ketten sind jetzt schon eine sehr gefährliche Angelegenheit. Zum einen können die Kinder in den Pausen sehr leicht unter der Kette hindurch, zum anderen springen sie oft darüber und stürzen oder sie setzen sich drauf und fallen herunter. Die Ketten sind schon jetzt ein großes Unfallrisiko für die Kinder. Da muss für den neuen Schulhof etwas Besseres geplant werden.

Auch die Farbe der Pflastersteine halten wir für nicht richtig überlegt. Wer in diesem Sommer auf dem Schulhof war, weiß wie heiß es auf dieser gepflasterten Fläche ist. Dabei sind die Pflastersteine jetzt hell grau und nehmen nicht so viel Hitze auf. Das zukünftige dunkelbraun-rote Pflaster wird sich wesentlich mehr aufheizen und das Klima auf dem Schulhof negativ gestalten.

Zum Schluss noch die Erweiterung des Podestes. Auch hier ist nicht bedacht worden, dass der eigentliche Schulhof dadurch verkleinert wird. Es wird außerdem eine zusätzliche Stolperfalle geschaffen und es wird unmöglich gemacht, dass Lieferverkehr den Bereich zwischen Schule und Mehrzweckhalle anfahren kann.

Alles Details, die unserer Meinung nach schlecht gelöst sind, die teilweise gar nicht genehmigungsfähig sind und die überplant werden müssen. Deshalb halten wir diesen Plan nicht für zustimmungsfähig.

Diesen Plan will auch im Übrigen niemand in Altenbach! Die einen lachen darüber, weil ein funktionsfähiges graues Pflaster für sehr viel Geld gegen ein neues rotes Pflaster ausgetauscht werden soll, und die anderen weinen, weil es überhaupt keine Verbesserung für die Kinder geben wird. Dieser Plan ist nicht kindgerecht!

Die Altenbacher Eltern wissen das und sie haben sich auch mehrfach engagiert. Zuerst wurden sie aufgefordert Spielgeräte für den Schulhof auszusuchen. Da gab es eine Sitzung mit den Planern und dem Ortsvorsteher, wo ganz konkret über die Lage von Spielgeräten auf dem Schulhof gesprochen wurde. Die Eltern wurden ermutigt mitzuarbeiten. Hier haben weder Planer noch Ortsvorsteher die Eltern darauf aufmerksam gemacht, dass Parkplätze und Spielgeräte evtl. nicht zusammen passen könnten! Dabei hatten Altenbacher Elternvertreter schon vor 20 Jahren Geld gesammelt für eine Tischtennisplatte auf dem Schulhof. Das Geld war zusammen, die Platte hätte gekauft werden können, aber Bürgermeister Riehl hat es mit Verweis auf den Versicherungsverband und die Unfallkasse damals nicht zugelassen.

Nicht der Planer und auch nicht der Ortsvorsteher – nein, Frau Fath war die Erste, die sich um das Problem wirklich gekümmert hat, nachdem sie die Vorschläge für die Spielgeräte von den Eltern bekommen hat. Dafür gebührt ihr Anerkennung und nicht Kritik.

Verstehen Sie hier im Gremium jetzt, dass sich die Eltern an der Nase herumgeführt fühlen? Erst sollen sie Spielgeräte aussuchen, jetzt bekommen sie nichts!

Zweites Beispiel für das Engagement der Altenbacher Eltern: Sie wurden vom Bürgermeister, Ortsvorsteher und Ortschaftsrat aufgefordert einen Schul-Förderverein zu gründen mit dem Argument: Man kann nicht nur immer von der Stadt Spielgeräte fordern, die Kassen sind leer, es müssen auch Spenden gesammelt werden. Das Vorbild dafür war der Förderverein der Kurpfalz Grundschule. Dort ist ja schon der erste Teilbereich des Schulhofs mit Spenden umgesetzt worden. Die Altenbacher Eltern haben die Gründung des Schul-Fördervereins im 2. Anlauf geschafft und wollen nun Spenden für Spielgeräte sammeln. Aber sie dürfen es nicht, weil auf ihrem Schulhof Parkplätze vorgesehen sind.

Verstehen Sie jetzt hier im Gremium, dass auch diese Eltern sich an der Nase herumgeführt fühlen? Erst sollen sie einen Förderverein zur Finanzierung der Spielgeräte gründen, jetzt gibt es keine Spielgeräte. Sie fragen sich natürlich: Warum haben wir uns all diese Mühen gemacht?

Deswegen unser Appell: Lasst uns doch endlich einen Schulhof bauen, der diesen Namen auch verdient!

Einen solchen Plan wie diesen haben wir unseren Schriesheimer Eltern nie vorgelegt und würden wir auch den Schriesheimer Eltern niemals vorlegen. Wir haben auf dem Schulhof der Strahlenberger Grundschule Spielgeräte installiert und wir sind dabei den Schulhof der Kurpfalz Grundschule kindgerecht umzubauen. Beides in kooperativer und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Eltern, Kindern und Schulleitung. In Altenbach dagegen soll ein Parkplatz gebaut werden, auf den morgens auch die Schulkinder dürfen – und er soll auch noch gegen den erklärten Willen der Eltern, der Kinder und der Schule gebaut werden. (Die Briefe von Schulleitung, Elternvertreter und Förderverein liegen uns vor, sie sind eindeutig.)

Sind uns die Altenbacher Kinder so viel weniger wert als die Schriesheimer? Kann es sein, dass wir in Schriesheim das Optimale für unsere Kinder bauen – und in Altenbach noch nicht einmal das Notwendigste?

Haben nicht die Altenbacher Kinder die gleichen Anstrengungen verdient wie die Schriesheimer Kinder?

Heute ist jeder Gemeinderat persönlich nach seiner Meinung zu diesem Plan gefragt. Es kann nicht sein, dass sich hier irgendjemand hinter dem Votum des Ortschaftsrates verstecken möchte. Wir sind gewählt, um nach eigenem Wissen und Gewissen das Beste für unsere Stadt und unsere Stadtteile zu erreichen. Der Beschluss des Ortschaftsrates ist eine Empfehlung an den Gemeinderat. Das hat natürlich Gewicht, kann aber gerade bei so einem wichtigen Projekt niemals die eigene Meinung ersetzen. Und da sage ich: Gerade in Altenbach mit seiner rückläufigen Bevölkerungsentwicklung müssen wir eher mehr als zu wenig für unsere Kinder tun. Das Wohl unserer Kinder muss oberste Priorität haben.


Und nun zu unseren 2 Anträgen:

  • Der Gemeinderat möge beschließen, dass diesem Plan heute nicht zugestimmt wird, sondern dass der vorhandene Plan zusammen mit Eltern und Schule kindgerecht überarbeitet wird. (Antrag wurde abgelehnt)
  • Der Gemeinderat möge beschließen, dass die Verwaltung beauftragt wird zu untersuchen, ob es möglich ist Ersatzparkplätze für die geplanten Schulhof-Parkplätze auszuweisen. (Antrag wurde angenommen)

 

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